Über die unterschiedlichen Wirkweisen von Cannabisprodukten

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Es wurde schon viel über die Cannabiswirkung geschrieben, diskutiert, geforscht und gemutmaßt. Cannabis sei die harmloseste psychoaktive Substanz, hört man immer wieder — die Wirkung der Hanfdroge sei im Vergleich zu anderen psychotropen Molekülen eher leicht, recht gut abzuschätzen und vor allem: gut zu vertragen. So sagen das zumindest viele Cannabisbefürworter. Wenn aber selbst in gut unterrichteten Kreisen stets von „der Cannabis-Wirkung“ gesprochen wird, so muss man sich fragen, ob es diese universelle Wirkung der Produkte der Hanfpflanze tatsächlich gibt. Es ist doch vielmehr so, dass die diversen Erzeugnisse, die mittlerweile aus Cannabis produziert werden, zumindest relativ unterschiedliche Wirkungen haben können. Wer würde schon ernsthaft die Effekte, die gedabbtes hochpotentes Haschöl induziert, mit denen von eher durchschnittlichem Gras vergleichen wollen? — Richtig, nur der Unbedarfte. Sehen wir uns also die unterschiedlichen Wirkweisen der zurzeit verfügbaren Cannabisprodukte an, ohne dabei auf die Herstellung der einzelnen Substanzen einzugehen. Und wir werden sehen: Dope ist nicht gleich Dope.

Passenderweise ist in diesem Text, ein hervorragender Artikel des Kollegen Dr. Franjo Grotenhermen, der die pharmakologischen und gesellschaftspoli-tischen Gefahren und Risiken des Hanfkon-sums zum Inhalt hat und beleuchtet. Wollen wir nun das von Franjo Grotenhermen Be-schriebene um ein Safer-Use-Stück ergänzen, in dem wir uns fragen, ob es tatsächlich eine allgemein gültige „Cannabis-Wirkung“ gibt, und ob man als Hanfkonsument nicht vielleicht doch auch unschöne Erlebnisse haben kann, die auf eine übermäßige und nicht erwartete Potenz der Rauchwaren oder Hanfkonfiserie (o. ä.) rückführbar ist.
Marijuana
Das gute alte Weed. Gras, Marijuana, Ganja, Hanfblüten. Nenn es, wie du willst — Weed ist wohl derzeit das beliebteste Cannabisprodukt. Und hier geht es schon los, denn selbst beim Gras gibt es diese universelle Cannabis-Wirkung an und für sich schon nicht. Vergleichen wir nur klassische Sativa- bzw. Haze-Sorten mit den Indicas bzw. Indica dominierten Strains, zum Beispiel des Typus‘ Kush. Eine gut gegrowte Kali Mist oder Hawaiian Snow mit beispielsweise einer Hindu Kush oder der Afghani #i vergleichen zu wollen, grenzt fast an eine hanebüchene Unverschämtheit, die nur aus völliger Unkenntnis geboren sein kann. Denn die einen erheben, sind trippy, schießen dich im besten Falle in ein psychedelisches Multiversum, während die anderen dich schwer machen, die Glieder geradezu lähmen und dir ein re-laxierendes Stone in Kopf und Körper ballern, dass am Ende des Tages das Bett die einzig denkbare Alternative für die restliche Abendgestaltung bleibt. Und dann gibt es noch die pharmakologischen Hybriden. Das sind zum Beispiel Cannabis-Strains auf Indica-Basis, die dennoch einen eher Sativa artigen Törn provozieren, OG Kush wäre beispielsweise ein solcher Kandidat.
Wie auch immer, die verschiedenen Gras-Sorten können so unterschiedliche Wirkungen induzieren, dass der unerfahrene Konsument durchaus dem Glauben unterliegen könnte, es hier mit zwei vollkommen unterschiedlichen psychoaktiven Substanzen zu tun zu haben. Zwar liegt der Cannabiserfahrung stets ein gemeinsamer Nenner zugrunde. Das heißt, dass der erfahrene Hänfling in aller Regel einen Cannabis-rausch erkennt, und zwar unabhängig von Strain und Stammpflanze. Alles, was aber über diese gemeinsame Schnittmenge hinausgeht, kann einen Nutzer der pharmakobotanischen Wunderpflanze in die eine oder eine völlig andere Richtung katapultieren. Zur Veranschaulichung: Die Wirkung von unterschiedlichen alkoholischen Produkten lässt sich durchaus zum besseren Verständnis heranziehen, denn die Psychoaktivität eines durchschnittlichen Pilseners ist wohl kaum zu vergleichen mit derjenigen, die ein starker Schnaps dir beschert. Spinnt man das Ganze weiter und wendet sich dem Absinth zu — definitiv auch ein Alkoholprodukt —, so wird der Unterschied nochmal ein bisschen deutlicher. Bier, Schnaps und Absinth haben vollkommen verschiedene Wirkprofile, trotz der gemeinsamen Schnittmenge, trotz des selben Moleküls, das allen Er-zeugnissen zugrunde liegt.
Haschisch
Werfen wir nun einen Blick auf ein weiteres Hanfprodukt: das Haschisch. Beginnen wir wieder beim Weed. Denn Gras, oder besser: die Hanfpflanze an sich, ist das Ausgangsprodukt zur Herstellung von Haschisch. Dass es weltweit ganz besonders viele Haschisch-Arten gibt, sollte dem grow!-Leser schon mal zu Ohren gekommen sein. Auch in diesem Magazin hatten wir schon haufenweise erhellende Erklärstücke, in denen dargelegt wurde, wo der Unterschied zwischen den diversen Dope-Sorten zu finden ist. Deshalb wollen wir darauf nicht weiter eingehen, jedoch die unterschiedlichsten Formen von Haschisch in die Waagschale werfen und miteinander vergleichen. Denn auch Hasch ist nicht gleich Hasch. Zwar besteht Haschisch mehr oder weniger immer aus den gesammelten Harzdrüsen der Marijuanapflanze bzw. des Weeds an sich. Das ist aber auch schon alles. Das Ausgangsmaterial spielt — wie bei allen Cannabisprodukten — eine außerordentlich große Rolle. Ach was, sagen wir es doch, wie es ist: Es spielt die größte Rolle! Aus schlechtem Hanf lässt sich zwar einigermaßen annehmbares Dope gewinnen. Den Vergleich mit solchem, das aus qualitativ hochwertigen Sorten gewonnen wird, muss ein solches Hasch aber immer scheuen. Was ist denn mit „der Cannabiswirkung“, wenn man sich die 10-D-MarkEuroplatte in die Tüte bröselt (oh, ich alter Nostalgiker!) und anschließend beim Kumpel Nepali-Temple-Balls oder Charras durch die Pfeife schmaucht? Wird da irgendjemand behaupten wollen, dass es bezüglich der Wirkung dieser Haschischsorten keine Unterschiede gäbe? Allein die Tatsache, dass das eine (die Europlatte) vornehmlich aus Pflanzenmaterial besteht und bestenfalls einige verirrte Trichome aufweist und die anderen (die Temple Balls und der Char-ras) fast reines Hanfharz sind, sagt auch über die zu erwartende Potenz des Materi-als schon sehr viel aus. Und auch hier stellt sich die Frage: Hat ein Haschisch eher Sativacharakter oder geht es eher in Richtung paralysierender Indica? Eine Sonderrolle in dieser Hinsicht spielt auf jeden Fall das Water- oder Ice-O-Lator-Hash. Auch die Herstellung dieser Sorten wurde in der grow! schon des öfteren erklärt (siehe dazu das Ende dieses Artikels). Jedenfalls ist es mit dem Waterhash so eine Sache. Die originäre Wirkung, die man beispielweise von gutem Marokkaner kennt, wird man mit Waterhash in dieser Art nicht erwarten können. 1A-Waterhash der ersten Siebung ist, je nach verwendeter Pflanze natürlich, dunkel bis schwarz, hart und bröckelig und häufig so gut wie geruchlos. Die Geruchlosigkeit begründet sich darin, dass auch die aromatischen Terpene, die für den Geruch des Cannabis verantwortlich sind, beim Prozess der Waterhash-Herstellung entfernt werden. So manchen freut das ungemein, zum Beispiel Konsumenten, die geschäftlich viel auf Reisen sind und jeden Abend in einem anderen Hotel residieren. Die können dann ihr Dope quarzen, ohne die ver-räterischen Gerüche ins Nachbarzimmer oder in den Flur zu entlassen. Welch ent-spannende Umstände! Die Wirkung eines guten Waterhashs kann im Vergleich zum besseren Marok genauso different sein, wie die Aromaentwicklung. Ein dicker Joint voller Waterhash hat schon so manchen Raucher erst aufs Klo (zum Kotzen) und dann mit Schüttelfrost ins Bett (zum Weiterleiden, bis Schlaf dich übermannt) befördert. Dann ist der Abend gelaufen, an Erholung oder Relaxion nicht zu denken. Mit gutem Waterhash kann man durchaus erleben, dass auch Cannabiskonsum einen Kater am kommenden Morgen verursachen kann. Und das, obwohl gemeinhin immer behauptet wird, kiffen würde keinen Kater nach sich ziehen. Pah! Von wegen! Weit gefehlt! Es gibt eben nicht „die eine Cannabiswirkung“. Allmählich schnallt es wohl auch der Letzte.
Öl und Dabben
Weiter geht’s mit der nächst heftigeren Nummer. Entschuldigt diese jargon-hafte Terminologie, aber da geht es mit mir durch. Naschöl! Heiliges Trittbrett! Das hat den einen oder anderen Hardcorekiffer schon das Fürchten gelehrt. „Ich hab soviel gequlcht, mich kann nichts mehr beeindrucken“, waren seine letzten Worte, nachdem er den Dabbingnagel aus der Hand gelegt hatte—und umfiel. In der Tat: Haschöl (nicht zu verwechseln mit dem überaus gesunden Hanföl, das aus den Hanfsamen des Cannabis Samen kaufen gewonnen wird) kann den Weg zu den Sternen ebnen. Oder den Weg ins Badezimmer. Denn zum einen ist die Differenz zwischen der Potenz guten Haschöls und sehr gutem Haschisch schon eine recht frappierende. Zum anderen macht es aber auch durchaus einen Unterschied, Haschöl durch die normale Purpfeife oder die spezielle Dabbingpfeife bzw. ein Dabbingrohr zu rauchen. Bei der Purpfeife kommt das Feuerzeug zum Einsatz, während beim Dabben mit einem glühenden (Metall- oder Glas-)Nagel gear-beitet wird. Dabbt man richtig, berührt der mit dem Öl versehene Stift den glühenden Nagel nicht wirklich, sondern kommt ihm gerade so nahe, dass die Inhaltsstoffe des Ols verdampfen und inhaliert werden können. Das Ganze ist dann eher eine Art des Vaporisierens, während man mit der Purpfeife samt Feuerzeugflamme das Material verbrennt — und damit auch eine Vielzahl an Inhaltsstoffen ungenossen in den Äther pumpt. Apropos Vaporisieren: Auch diese inhalative Technik des Cannabiskonsums hat ihre ganz eigenen Eigenschaften. Es ist nämlich nicht dasselbe, ob man Cannabis pur raucht oder pur verdampft. Die Wirkung des Vaporisierens im Vergleich zu gerauchtem Kraut, Dope oder Öl ist ungleich stärker, einfach, weil viel mehr Wirkstoffe des Hanfs aufgenommen werden können (annähernd 100 Prozent), denn es wird dabei ja nichts verbrannt.
Nochmal Öl:
BHO-Superkonzentrate
Es ist dann auch nochmal was anderes, ob man „konventionelles“ Öl hat, zum Bei-spiel von einem hochwertigen Marok, oder hochpotente THC-Superkonzentrate mit bis zu 6o Prozent THC-Gehalt, die sogenannten BHOs (Butan-Hash-Oil), wie Shatter, Wax, Taffy etc. pp., die aus megapotenten Cannabis-Strains hergestellt werden. Mit solchen Produkten kann man als „normaler“ Kiffer ziemlich Übles erleben. Vor allem, wenn man sich und seine Resistenz gegenüber der Empfänglichkeit für Hanfzubereitungen überschätzt. Die THC-Superkonzentrate können den Konsumenten locker für einen ganzen Tag lang ausschalten — oder ihn auf eine entheogene Reise schicken, von der man als Hänflingzuvor nie auch nur im Entferntesten angenommen hatte, dass sie mit Cannabis überhaupt erlebbar sei.
Hula Solution und ähnliche Extraktoren
Ähnlich potent wie die BHO-Superkon-zentrate sind die relativ neuartigen Li-quidextraktoren, wie Hula Solution aus Österreich vom venerablen Peter Rausch (über Rausch und Hula Solution hatten wir in der grow! schon diverse Berichte und Artikel) und das auf Lecithinbasis agierende Lecithol, das von einer deutschen Firma gleichen Namens angeboten wird. Diese Produkte lösen die Cannabinoide und andere Wirkstoffe aus der Cannabispflanze und vereinen sie in einer resultierenden farb-und geruchlosen Lösung. Am Ende hat man dann ein Fläschchen mit Cannabinoid haltigen Tropfen, die — je nach Art und Potenz des verwendeten Weeds oder Haschischs — extrem stark sein können. Auch Mischungen aus verschiedenen Hanfpflanzen sind natürlich mit Hilfe dieser Liquidextraktoren möglich. Ein weites Feld für psychonautische Forscher! Aber leider bis dato im deutschsprachigen Raum genauso illegal wie weit. Die Kombination von Hula Solu-tion, größeren Mengen exquisitestem NYC Diesel und einer guten Portion Anmaßung schickte schon dienstälteste Psychonauten auf die Bretter. Man kann sich da unheimlich vertun!
Wir sehen, schon dieser rudimentäre Überblick liefert einige Anhaltspunkte dafür, dass die Wirkung von Cannabis und Cannabisprodukten so unterschiedlich sein kann, wie nur möglich. Nicht ohne Grund wird potentestes Haschöl sogar in den Niederlanden als „harte Droge“ klassifiziert (ein Begriff, den wir selber nicht in den Mund nehmen würden, der aber gut demonstriert, wie ungleich die Hanferfahrung, abhängig vom zu konsumierenden Endprodukt, sein kann).
Weitere Unterschiede in der Hanfwirkung finden sich darüber hinaus in Art und Form der Einnahme. Wird das Canna-bisprodukt pur konsumiert oder vermischt mit anderen Substanzen? Wird es geraucht, verdampft oder gegessen? All das hat Auswirkungen auf die Potenz und Wirkung des jeweiligen Hanferzeugnisses. Auf die Wirkdauer, die Wirkweise und den Eintritt der Wirkung. Manche ziehen es vor, Cannabis zusammen mit Tabak zu rauchen, während andere auf das pure Kraut schwören. Es ist immer eine Frage der Präferenz und Erfahrung. Natürlich spielt auch die persönliche Toleranzschwelle und Gewöhnung eine große Rolle. Eines ist aber hoffentlich klar geworden: „Die Cannabiswirkung“ gibt es schlicht nicht, wer anderes behauptet, kann seine Position nicht auf Erfahrungswerte zurückführen.

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